Le Lotte nella Radio di Weimar – Kap. 1 Gründer (3)

„In dem Dachgeschoß um die Ecke: Die Geschichte mit dem Egon, der Brand: Also, da war schon Wasser verlegt. Sogar dieses“ Kurt kratzt seine Stirn, fuchtelt gleichzeitig mit den Fingern der anderen Hand immer wieder in einer Drehbewegung herum. „Wie sagt man denn – dieses Rädchen an der Leitung?“

„Armatur“, helfe ich.

„Also die Armatur und der Anschluss für die Dusche hat funktioniert. Jeder vernünftige Mensch hätte die doch aufgedreht und sich darunter gestellt. Also, das wäre doch das erste, an was Egon gedacht hätte. Irgendwas stimmt da nicht.“

„Was, wieso, hat der das nicht versucht?“

Kurt hat noch wenig getrunken, „Nein, die Dusche war völlig unberührt. Das ist es ja.“

„Woher willste denn das wissen?“

„Mein Vater war doch Plempe… Vopo… also bei der Polente. Der kennt die, die das untersuchen. Früher mal Kollegen.“

Einer am Tresen, neben Gabi: „Meint ihr den Russen?“

‚Ukrainer’, wird gemurmelt.

„Russen sind doch wasserscheu.“

Kurt verjagt den Gag wie eine Stechmücke.

Ein Zimmermann in schwarzem Cord aus der Runde: „Das war doch seine Alte, diese Olga. Entweder die, oder halt ihre Leute. Die sind doch genug, die Russen da um die herum.“

Gabi kreischt von ihrem Standort hinter dem Tresen: „Olga, du tickst ja nicht richtig! Die sind doch schon ewig auseinander.“

„Auseinander? Der kommt aus der Ukraine hierher, und das nennst du auseinander? Zumindest was den Egon betrifft, läuft doch da noch was zwischen denen. Das sieht doch ’n Blinder.“

„… ist gelaufen. … Zwischen denen ist was gelaufen“, sagt einer.

„Ach ja, hast Recht, der hat ’s ja hinter sich, die arme Sau. Wenn das alles nur nicht so eine einzige Scheiße wär’! Und außerdem, sein Kleiner. Wenn der auch mit Olga und ihrem Neuen, dem… mh“

„Maik“

„…dem Maik zusammen lebt, und wenn der auch mit seinem neuen Bruder… mmhh… Halbbrüderchen zurechtkommt – Kinder können ja so was ohne Probleme – der hat doch arg an seinem Papa gehangen, an seinem richtigen, dem Egon, meine ich. Ach, das ist doch alles eine einzige große verfluchte Scheiße!“

Gabi durchbricht das Schweigen, „Ich weiß, wer ’s war.“

Keiner reagiert.

„Ich hab’ ihm in die Augen gesehen.“ Sie nickt, „Ich hab’ ihm in die Augen gesehen und ich hab’ genau gesehen, was los ist. Und eins kann ich euch sagen: Der hat auch genau gesehen, dass ich in seinen Augen alles gesehen hab’. Alles, was da abgegangen ist. Ich hab’ da noch nicht genau gewusst was. Ist doch klar! Ich hab’ ja noch nicht mal gewusst, dass Egon tot war. Das hat zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich noch gar keiner wissen können. Außer eben dem, der ’s war … und den ich gesehen hab’.“ Ein Lacher aus Hohn ertönt.

Unwillen über ihre Dramaturgie. „Du hast was gesehen, was du gar nicht gesehen hast. Iss ja doll!’ Gabi‚ mach ’s nicht so spannend!“

„Ich bin die Allee hoch zum Bahnhof gegangen, abends so um dreiviertel acht, da kommt mir, also ich hab’ gedacht, ich glaub ’s nicht, da kommt in so einer affenartigen Geschwindigkeit ein Sportwagen entgegen gerast, dass ich schon allein deswegen Angst gekriegt habe. Und wie der näher kommt, sehe ich einen ans Lenkrad geklammert mit völlig verzerrtem Gesicht auf die Straße stieren. Nur weil ich den so angeguckt hab’, hat der nur ganz kurz, vielleicht eine Sekunde rüber geguckt, direkt in meine Augen, so wie ein Tunnel-…, so ein Tunnelblick war da zwischen mir und dem, aber nur ganz kurz, ihr wisst schon. Und da hab’ ich alles gesehen. Und heute weiß ich, was ich da gesehen hab’.“

„Sagst du uns jetzt bitte auch noch, wer das war?“ – „Mein Gott! Hätten Madame die Güte?“ – „Die meint den Maik, ist doch klar.“

Gabi nimmt einen abgestellten Aschenbecher und erzeugt auf dem Weg zum Mülleimer eine Bugwelle aus Trotz und Triumph. Sie brummelt: „Das war ein roter Z3, der da angerast gekommen ist.“

‚Siehste, ich hab’s doch gleich gemerkt. Die meint doch tatsächlich den Maik!’ – ,Gelächter, – ‚Der Maik! Die spinnt total!’, – ‚Die weiß nicht, was sie sagt’.

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