Le Lotte nella Radio di Weimar – Kap.4 Patricia Herberger 12

Tom hatte die Funktion eines Sonnenschutzes erklärt. Bei einer Verschattung hinter dem Fenster würde sich die Wärmestrahlung innen an dem Sonnenschutz brechen und würde sich stauen. Ein außenliegender Sonnenschutz hätte das Problem nicht.

Herbert wurde aus dem feuchten Loch im Keller, wo er sich durch das Problem wühlte, eine Toilette zu installieren, hinauf in das Dachzimmer des Managers geholt. Er war vom Arbeitsamt geschickt worden, eine Null-Kosten-Lösung. Draußen knallte die Sonne.

Der Manager ließ Herbert außen von der sanft geneigten Dachebene aus vor dem Dachflächenfenster des Räumchens, in dem er zusammen mit seiner Sekretärin saß, zwei schräg gestellte Bretter anbringen, zwischen denen ein spärlicher Licht- und Luftschlitz frei gelassen wurde. Anstatt eines Rollos aus verstellbaren Lamellen, hatte er sich überlegt, könnte er dieses auf zwei große ‚Lamellen‘ aus Holz reduzieren. Die Bretter spendeten Schatten und zwar so viel, dass der Manager und seine Sekretärin von nun an den Sommer über bei Kunstlicht arbeiten mussten.

Irgendwann ließ es sich nicht mehr verhindern. Tom stieg hinunter zu Herberts Baustelle unter Normal-Null. An der Decke der Kellertreppe schlug er sich den Schädel an. Herbert musste lachen. Er kannte die Stelle sowohl an der Kellertreppendecke als auch an seinem Schädel. Tom maß nach. Die Durchgangshöhe war mit eins-fünfundsechzig nur wenig höher als die Körperlänge des Managers.

„Hier fehlt wenigstens an einer Seite ein Handlauf.“ monierte Tom.

Die Toilette war ausschließlich für Männer. „Und die Frauen?“

„Die gehen, solange oben das vorhandene Clo umgebaut wird, zum Nachbarn oder auf ein Dixie-Clo.“

„Und danach gibt es doch immer noch keine Damentoilette?“

„Wenn das Behinderten-Clo fertig ist, dann können die ja auf das gehen.“

„Das Clo mit Hebeanlage im Keller soll für die Männer sein, und das Clo im Erdgeschoss willst du für Behinderte und Frauen vorsehen?“

Der Manager bestätigte.

Tom bat ihn, ihm doch bitte die Pläne zu zeigen.

„Welche Pläne? Es gibt keine Pläne.“

Er nahm ihn ins Gebet. „Einen Zuschuss für behindertengerechte Toiletten zu kassieren, setzt voraus, dass das auch erfüllt wird. Es bedeutet, dass ein Behinderter, ohne fremde Hilfe das Gebäude besuchen kann. Er kann, wenn es sein muss, die Toilette selbständig aufsuchen, sich in der Toilette die Hände waschen und kann wieder ohne Umstände zurück zu seiner Veranstaltung im Sendesaal gelangen. Wir müssten eine Rampe an der Eingangstreppe bauen, eine Maßnahme, die, wie du es auch drehst und wendest, nicht genehmigungsfähig ist. Die Flure und die Türen sind für Rollstuhlfahrer zu eng und die Maße in der Toilette erfüllen nicht das Mindestmaß eines Rollstuhl-Wendekreises. Für ein Handwaschbecken reicht der Platz nicht aus. Die Kellertreppe hätte einen zu niedrigen Durchgang zu einer noch zu installierenden Herrentoilette. Eine Toilette für sowohl Behinderte als auch Damen ist weder zulässig noch als Provisorium zu vertreten.“

Tom bot an, die Korrespondenz mit der Landesmedienanstalt zu übernehmen. Er kannte sich in Konflikten um die Finanzierungen von Baumaßnahmen im denkmalgeschützten Bestand aus. Schließlich wäre ja auch einiges im Sendegebäude gelungen. Könnte sich doch sehen lassen. Er behauptete sogar, verglichen mit dem Gesamtumfang wäre bisher relativ wenig schiefgegangen. Der Manager setzte dagegen, „Du weißt nicht um was es geht. Da steckt echtes Geld drin.“

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