Le Lotte nella Radio di Weimar – Kap.1 Gründer (4)

Früh aufzustehen, brachte sowieso nichts. Die Ereignisse in der Stadt fanden abends oder am Wochenende statt. Das hatte nichts damit, dass ich morgens gerne ausschlief, zu tun. Ich brachte Akustisches in die Redaktion, um es zusammenzustellen, nachzubearbeiten, einzubauen. Andere arrangierten Interviews im Studio oder am Telefon oder sie berichteten von Ereignissen, die sie miterlebt oder recherchiert hatten. Eine gewisse Warmlaufphase eingerechnet, konnte man da schon um sechs anfangen. Ich kam zwischen 9 und 10 Uhr.

Ich war nicht schlecht erstaunt, als ich keinen Platz mehr zum Arbeiten fand. Ich setzte mich auf einen Besuchersessel. Ich und Tennessee, wir kannten uns schon lange. Er war eigentlich einer von der Sorte, bei denen ich, wenn ich ihn in der Stadt traf, stehen blieb und zwei drei Takte anschlug. Tennessee ignorierte mich jetzt. Nichts. Auch Cindy, die ,Chefsekretärin‘, knallte ihre Hacken und wippte ihren Jeansrock, lief hin und her. Nicht der kleinste Blick. Die Praktikantin, die mir schon seit Tagen nicht aus dem Kopf gehen wollte, versteckte immerhin ein Lächeln in ihrem Mundwinkel. Nur der alte Lokalredakteur sagte, ohne aufzuschauen, ein „Guh – tänn Morr – …“ mit einem gedehnten – … „gähn“ am Ende. Es war ein nur etwas länger gezogenes „Guh – tänn Morr – gähn“, als das, was er vor seinen Lokalnachrichten hinaus an die Stadt schnarrte.

Anfangs drehte ich immer noch eine Runde um den Block, trank einen Kaffee, schaute im Antiquariat vorbei.

In der Buchhaltung war noch ein Computer frei. Von nun an arbeitete ich dort. Ich saß unter dem Dach, extern im Nachbarhaus. Erst nachmittags, wenn die meisten gegangen waren, suchte ich einen der zwei Schnittcomputer auf.

Dachgeschoss hieß, die Erfahrung des „Managers“ zu machen. Den Namen hatte er in einem Studentenclub abgekriegt. Dort hatte er neben seinem Sozialpädagogikstudium mit zwei anderen zusammen Bierkastenreihen zählen und ergänzen, Eintrittskarten abrechnen und Verträge mit Rockmusikern zu schließen gelernt. Der Programmdirektor und Gründer hatte ihn, weil er einen gebraucht hatte, der die behördlichen Verhandlungen, die Geschäftsverträge, die Steuererklärungen für sein Radio macht, zur Gründungsinitiative hinzugezogen.

Wenn das Telefon klingelte: „Hier ist der Manager!“

Du kannst den Artikel ruhig weg lassen. ‚Hier ist Manager!’ oder nur ,Manager’ reicht aus. Das wirkt entschiedener.“ Mein Tipp nützte nichts. Der Manager managte von hier aus und meldete sich weiterhin mit ‚Hier ist der Manager!’.

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