Le Lotte nella Radio di Weimar – Kap.2 Ottmar Schmieling Kommunikation 16

„Die haben sich am Checkpoint Charly 200 Meter gegenüber gestanden. Davon gibt ’s noch Aufnahmen. Mein Vater hat die Fernsehnachrichten von damals auf einem Video. Der hat in dem Panzer gesessen. Die Mauer war gerade gebaut

worden. Auf jeder Seite 30 Panzer. Beide hatten das Kommando: Wenn‘s darauf ankommt, schießen! Mein Vater ist Soldat, also natürlich abgebrüht, aber wenn er die Geschichte erzählt, das merkst du heute noch. Das muss wahnsinnig gefährlich gewesen sein.“
Ein Joint geht um. Philipp wartet, bis die Geschichte in die Köpfe geschwappt, die Brandung verebbt ist.
„Hinterher hat sich raus gestellt. Weder Chruschtschow noch Kennedy hatten ernsthaft einen Angriff vor. Wenn aber einer von denen in den Panzern die Nerven verloren hätte, hätten die anderen den Befehl gehabt, dagegen zu halten. Und dann: Gnade Gott!“
„Oh Mann, da hatte ja dein guter alter Dad den 3.Weltkrieg in der Hand.“
Philipp zieht an der Tüte, hustet, verzieht das Gesicht: „Wenn er es hätte knallen hören, dann hätte er gewusst, dass das jetzt das Letzte war, was in seinem Leben geschehen ist.“
Philipps Vater war krank. Er würde es angeblich nicht mehr lange machen. Philipp hatte beim Stadtradio aufgehört, um ihn in Georgia zu besuchen. Er war ein halbes Jahr drüben. Er hatte offenbar sogar ernsthaft versucht, dort einen Job zu finden. In einem deutschen Restaurant hat er wenige Wochen lang panierten Fisch mit Kartoffelsalat, unter den Amerikanern als deutsche Spezialität angepriesen, serviert. Es hätte ganz gut geschmeckt. Das Personal allerdings hätte nur Chicken und French Fries gekriegt. Bei einem Privatradio hat er die Verkehrsmeldungen übernommen. Mit seinem leichten deutschen Akzent hätten sie ihn den ‚Traffic-Nazi’ genannt. Irgendwie hat das mit den Dollars nicht ganz geklappt da drüben.

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