Le Lotte nella Radio di Weimar – Kap.4 Patricia Herberger 10

Von Pat war nichts zu merken. Sie war mit 12 Stunden pro Woche, dienstags, mittwochs und donnerstags angetreten. Mittlerweile versuchte sie einen weiteren Tag herauszulösen. ‚Das mache ich zu Hause’.

Extra freie Zeit verabredete sie mit Tennessee unter der Hand. Die Troika, Pat, Tennessee, Manager deckte sich gegenseitig. Jeden Dienstag sprach sie ihren Beitrag ein. Was ihr so einfiel, vorformuliert, fünf Minuten lang. Warum sie aufs Land gezogen wäre, was ihre Kinder dazu meinten, welche Schulform ihre Kinder bevorzugten, welchen Einfluss sie selbst auf diese Entwicklung nähme, wie sie sich mit ihrem Mann darüber, wer die Wäsche bügeln und wer Unkraut jäten sollte, stritt. Themen, als würde sie vormittags für ein paar Takte mit einer Freundin zum Telefonhörer greifen. Sie nannte es ‚Kommentar’. Tom betätigte, sie hätte eine eigene Art Charme. ‚Kommentar’ wäre vielleicht etwas irreführend.

„Wieso? Ist das, was ich mache, etwa eine Reportage oder ein Beitrag?“

„Das ist es nicht.“

„Na siehste, dann ist es ein Kommentar.“

„Ich hätte eher an etwas Kolumnen-ähnliches gedacht. Lose Assoziationen in nahliegenden Themen. Mit einem passenderen Label könnte man das vielleicht besser rüber bringen.“

„Oder eben Kommentar!“, schloss sie ab, bestimmend, keine weitere Widerrede, bitte. Sie erweiterte, wie Jingles neuerlich genannt wurden, die ‚Verpackung‘. Der Titel wurde als „Neulich im Netzwerk“ angekündigt und es folgte der original eingespielte Refrain aus einem Disco-Song: ‚That’s the way, uhuuh ahaah, I like it, uhuuh ahaah’.

Ein Harry Wayne Casey – er war einer der Beiden, die das Lied geschrieben hatten – fürchtete seinerzeit einen Skandal: „Die ‚uh-huhs‘ wirkten wie ein Ächzen und Stöhnen. Ich dachte, dass es für 1975 halt etwas zu gewagt wäre.“ Er musste es entschärfen. Die Kritik dagegen meinte, nach wie vor sei die sexuelle Anspielung unüberhörbar.

Es blieb dabei. Der Moderator kündigte an, „Neulich im Netzwerk“ Musik setzte ein, ‚That’s the way, uhuuh ahaah, I like it, uhuuh ahaah’, danach sprach der abgebrochene Historiker ein, ‚der wöchentliche Kommentar von Pat Herberger’. Er arrangierte es und lieh seine Stimme.

Seit ihrem Beginn war schon über ein halbes Jahr vergangen. Weder die Leute vom Radio noch die Hörer hatten Ahnung, wer die da an den Hebeln der Programmgestaltung sein könnte, oder sie bekamen durch ihre ‚Kommentare’ einen, wie Tom meinte, falschen Eindruck. Tom bot ein Studiogespräch an. Eine monologische Radioansprache an das Publikum, wie er ihr eigentlich hatte vorschlagen wollen, verwarf er. Ihre Weigerung, meinte er, schon im Voraus fühlen zu können. Er wählte das Gespräch.

Er plauderte locker, behielt sie im Auge. Das Stadtradio sei nicht kommerziell. Es sei niemandem außer dem Hörer verpflichtet. Allerdings werde es vom Staat, d. h. von der Landesmedienanstalt alimentiert, und das leider nur ziemlich knapp. Pat betonte ihre Vergangenheit in großen Medien im Print-Bereich, im ZDF-Fernsehen und in privaten Radios. Sie bezeichnete den Lokaljournalismus gerade im Radio als eine der größten Herausforderungen im freien Journalismus. „Es ist etwas anderes, wenn man sein Kind in den Kindergarten bringt und einkaufen geht und darüber berichtet. Im Stadtradio kann man darauf überall angesprochen werden. In den großen Medien geschieht das irgendwo da draußen, da käme keiner auf die Idee in der Redaktion anzurufen.“ Pat verpflichtete sich, enge Beziehungen zu den Hörern aufzubauen und auch von außen Transparenz zu den Vorgängen im Stadtradio herzustellen. Sie bezeichnete es als Teil einer demokratischen Organisation. Toms Bild einer Agora, auf der sich die Bürger der Stadt frei austauschten und sich so etwas wie eine städtische öffentliche Meinung herausbildete, konnte sie teilen. Der Beitrag wurde in zwei kurz aufeinander folgenden Abschnitten mit einem Musiktitel dazwischen gesendet. Nach der Ausstrahlung meinte sie Tom gegenüber, „Wir können aber gut miteinander!“

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