Le Lotte nella Radio di Weimar – Kap.3 Sylvias Hauptrolle 9

Fred war Philosoph. Ab und zu ließ er sich im Nero blicken. Bevor er sich der guten Form widmete, ging es ihm zunächst immer um das Verständnis der Dinge. Er hatte bei Alfred Schmidt, einem Nachfolger am Lehrstuhl von Adorno und Horkheimer, studiert und sich erst in zweiter Linie mit Produktdesign beschäftigt.

Tom hätte ihm, hätten da nicht ein paar Jahre dazwischen gelegen, in Frankfurt über den Weg laufen können.

Das alltägliche Geplauder, nicht den hoch gestochenen Diskurs suchte er im Stadtradio. Die Landesmedienanstalt hatte für alle Bürgermedien eine Mediathek eingerichtet. Das Stadtradio stellte darin pro Woche zwei, drei Beiträge ein. Einer seiner Beiträge über mafiöse Strukturen in der Gastronomie erzielte unter allen Beiträgen des Stadtradios mit Abstand die meisten Aufrufe, ein Rekord, der nicht allen gefiel.

Er hatte die Aufnahmeprüfung zu ‚Mensa’, einer Vereinigung von Hochintelligenten versucht, die gerade in der Nachbarschaft stattfand, und zur eigenen Überraschung bestanden. Ein Intelligenztest musste mit einem IQ von mindestens 130 abgeschlossen werden. 100 ist allgemeiner Durchschnitt in der Bevölkerung. 130 erfüllen noch zwei Prozent, bei 145 ist in dieser Art IQ-Test Schluss. Er machte keinen Hehl aus seiner neuen Mitgliedschaft.

Einer aus der Redaktion, der hauptsächlich moderierte, erzählte, „Und dann ist der Mitglied bei Mensa geworden und hat sich sofort in ein Arschloch verwandelt.“

Dieser Kritiker war in fortgeschrittenem Semester der Geschichtswissenschaft durch die Prüfung des ‚Großen Latinum‘ gerasselt, das vorläufige ‚Aus‘ an der Universität. Er hatte bekannt gegeben, er hätte sich an einer Eliteschule für Journalisten beworben. Dort würden zwölf von 8000 Bewerbern angenommen. Skeptikern hatte er entgegnet, das wäre schon ganz in Ordnung so. Später hatte er von seiner Bewerbung bei den Mediengestaltern an der Uni berichtet, dann hatte er Auskünfte über die Bedingungen als Volontär beim Mitteldeutschen Rundfunk eingeholt. Er kam nach wie vor mehrmals in der Woche in die Redaktion.

Sylvia stürzte auf Tom zu. „Hör zu, du kennst doch den Fred?“

„Aber na klar. Der war schon hier, als ich wieder neu eingestiegen bin. Da werde ich den wohl kennen.“

„Ich muss dir was erzählen. Ich hab’ den eingeladen. Weißte, ein bisschen Pasta, Rotwein, Oliven, Käse. Die Pasta ist gegessen, wir stoßen mit Rotwein an. Und da sagt der doch, hör zu: ‚Und jetzt wird gefickt, oder wie?’ Stell dir das doch mal vor!“

 „Sylvia bitte, das ist allein eure Geschichte“, Tom hob die Hände.

„Ich hab’ den natürlich rausgeworfen.“

„Sylvia, bitte!“

In einem Gespräch mit der silbergelockten Sekretärin des Managers gab Tom in einem Nebensatz irgendeinen Hinweis auf Fred.

„Sei mir ruhig mit diesem Fred! Der hat ’se doch nicht mehr alle. Also ich hätt’ den an Sylvias Stelle angezeigt. Was der der Sylvia geschrieben hat! Das hätte bestimmt für ne Anklage gereicht. Die Sylvia hat ’s mir gegeben. Ich hab ’s noch. Ich muss dir ’s unbedingt mal zeigen. Und dann sag’ mal selbst!“ Tom konnte sie nur mit Mühe davon abbringen.

„So etwas ist nicht meine Art, das würde mir nicht einmal im Vollrausch passieren“, hat Fred abgewehrt, „Der Abend nahm seinen Verlauf. Eher kam Langeweile als irgendein Konflikt auf. Von Erotik oder Sexualität keine Spur.“ Fred hat seine Mitarbeit im Stadtradio ziemlich bald danach beendet.

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