Le Lotte nella Radio di Weimar – Kap.3 Sylvias Hauptrolle 21

Geburtstagsfeier, der Vierzigste einer Szene-Lady, die Clubräume eines Tennisclubs sind angemietet worden. Großes Buffet, jeder möge bitte eine Kleinigkeit mitbringen. Tom erfährt vor Ort, Tennessee habe sich im letzten Moment entschuldigen lassen, Auftritt in Berlin mit Punkband.

Die Erleichterung darüber zu überspielen, gelingt ihm nicht.

Es hatte Streit gegeben. Tom hatte angeboten, einen Beitrag über die Einweihung eines städtischen Platzes, dessen Sanierung abgeschlossen worden war, zu liefern. Sie wurden unterbrochen. Tennessee musste einen Praktikanten, Schüler, noch vor dem Abitur, beschäftigen. Tennessee ließ sich als Aufgabe für den Abiturienten das Thema ‚Platzsanierung‘ einfallen, eine Umfrage eben auf diesem Platz. Passanten sollten die Frage, „Wie finden Sie den Platz? “, beantworten.

Er ließ den Jungen die Antworten hintereinander reihen und ordnete an, Tom sollte den seiner Ansicht nach bereits zum großen Teil ausgearbeiteten Beitrag ergänzen, damit er gebracht werden könnte. Angekündigt war eine Kritik der Sanierung unter stadtplanerischen Gesichtspunkten. Interviews mit dem Verkehrsminister des Landes und dem Oberbürgermeister zur Wiedereröffnung sollten folgen. „Macht ihr einmal eure Straßenumfrage, ich kümmere mich um die Sanierung!“

„Wenn ich sage, du ergänzt den Beitrag, dann hast du den Beitrag zu ergänzen!“

„Wir haben längst verabredet, dass ich einen Beitrag, komplett mit Erläuterungen, Kritik und Interviews baue.“

„Du sollst den Beitrag ergänzen, weil ich sage, dass du den Beitrag ergänzen sollst“, sein übliches Kräftemessen.

Wegen seines Umgangstons hatte Tom einmal gefragt, ob er Dienst bei der ‚Nationalen Volksarmee’ geleistet hätte. Ein spöttisches Lächeln, nein, damit könne er nicht dienen, hatte sich in seinem Gesicht abgezeichnet.

Tom wurde laut. „Ich lasse mir Deine Ungezogenheiten nicht mehr bieten. Du hast keine Ahnung von Beiträgen, gehst nicht mehr aus dem Haus, du merkst nicht, was in der Stadt läuft und willst deine Anweisungen geben. Wir sollten dringend einmal über deinen Führungsstil reden.“

Der Streit hatte in einer Redaktionssitzung stattgefunden. Tennessee war ausgerastet. Er und keine Ahnung, was in der Stadt liefe! Bei seinem Tagesablauf! Tom hatte dagegen gehalten. Tennessee war so weit entgegen gekommen, eine Diskussion über seinen Führungsqualitäten zuzulassen.

Es soll nicht wieder aufgekocht werden. Kein Wort darüber! Auf einer Party Themen aus dem Arbeitsalltag breit zu latschen, ist der Gipfel an Trostlosigkeit. Es entspreche nicht seiner Art, redet sich Tom ein.

Dass Tennessee nicht gekommen sei, wird moniert. Tennessees Scheu vor der Öffentlichkeit müsse über die Neugier auf eine Party gesiegt haben, kann sich Tom nicht verkneifen einzuwenden.

„Der und öffentlichkeitsscheu! Der Chefredakteur des Stadtradios. Ein Seehund soll wasserscheu sein. Das willst du doch nicht im Ernst behaupten.“

„Der setzt keinen Fuß mehr vor die Tür. Praktikanten, die gerade mal 14 Tage dabei sind, schickt der zu Pressekonferenzen ins Rathaus und bleibt selbst zu Hause.“

„Red‘ doch nicht! Warum sollte er denn?“

Tom schildert, wie er Interviewpartner, die ein paar Minuten zu früh zu ihrem Termin gekommen sind, einfach ignoriert hat. Die sitzen anderthalb Meter von seinem Arbeitsplatz entfernt und fahren den Kopf immer weiter aus dem Kragen. Tennessee glotzt in seinen Monitor. Denen ist anzumerken, wie aufgeregt die sind. Sie wollen unbedingt was loswerden, haben den Hintern schon ein wenig von der Sitzfläche gehoben. Tennessee bleibt unbeeindruckt. Tom beschreibt, „Ich bin aufgesprungen und habe Hilfe angeboten. Tennessee weiß einfach nicht, wie er sich verhalten soll. Der ist schlicht ungewandt. Nach einer Lesung, zum Beispiel, auf den Autoren zuzugehen und ihn um ein Gespräch zu bitten, das schafft der nicht. Das wäre für ihn eine unlösbare Bewährungssituation. Der kann ja noch nicht mal ‚Guten Tag’ oder ‚Auf Wiedersehen’ sagen. ‚Danke’ oder ‚Entschuldigung’ ist dem gänzlich unbekannt.“

Tom kann es einfach nicht lassen. Er scheint nach dem Streit noch immer in Rage geraten zu wollen. Aufmerksamkeit regt sich. Partygäste docken an. Sein Gegenüber runzelt voller Skepsis die Stirn.

„Doch, doch! Der beherrscht nicht mal im gängigen Sinne Höflichkeit. Wenn der Termine mit Leuten, die wichtig fürs Radio sind, hat, mag so etwas vielleicht einmal klappen, aber selbst da muss er sich darauf konzentrieren.“

Weit und breit kein Tennessee, nicht einmal einer aus der Redaktion. Tom merkt selbst, er muss, will er sich nicht komplett lächerlich machen, die Nörgeleien beenden. In den folgenden Wochen grüßt Tennessee ab und zu. Einmal hat er sich sogar bedankt. Als Tom, zum Beispiel, von einem Auftrag überzeugt werden soll und ablehnt, meint Tennessee: „Jetzt habe ich dich schon vorsichtig gebeten. Was soll ich denn noch alles machen? Soll ich dir eine Bitte in Schönschrift auf Blümchenpapier mit einer Verbeugung überreichen?“

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