Le Lotte nella Radio di Weimar – Kap.2 Ottmar Schmieling Kommunikation 3

Eine der häufigsten Form in Radiobeiträgen sei das Interview. Ein Training werde stattfinden. „Am schwarzen Brett hängt eine Liste aus,“, verkündet der Neue, „darin kann sich, wer will, für einen ,Aircheck‘ eintragen.“

,Aircheck‘, ein Begriff aus der Radiomachersprache, steht für ein Anhören des eigenen Beitrags oder der Moderation gemeinsam mit ihm, um sich anschließend in Kritik und Diskussion zu ergehen und je nach Laune noch ein zwei Takte über dies und jenes zu plaudern.

Beim Interviewen, führt er aus, kann es Probleme geben. Manche Gesprächspartner, vor allem die aus der politischen Zunft, spulten, was immer man auch fragte, ihre vorbereiteten Statements ab. ,Ceterum censeo Carthaginem esse delendam.’ Ein gewisser Cato hätte in allen Debatten im Römischen Senat oder auch sonst bei jeder Gelegenheit betont, Karthago müsse zerstört werden.

Er habe das große Latinum abgeschlossen, lässt er gerne nach solchen Zitaten einfließen und er bringt oft eines aus einem Repertoire von ungefähr zehn. „Distinktion“ ist ihm zu meiner Verblüffung nicht geläufig allerdings nur als Begriff. Er stellt Fragen von der Kommandobrücke aus: „Was beschäftigt unsere Hörer? Was können wir zum Hauptthema machen? Von welchen Seiten können wir das beleuchten? Welche Themen können das Problem unterstützen?“

Kritik und Diskussion muss nichts Aggressives oder gar Vernichtendes haben. Kritik ist innerhalb der Gruppe eine Verpflichtung. Wer kreativ arbeitet, weiß das. Wie die Erbfolge geregelt worden ist, hat die bisherige Art der Führung gespiegelt. Mag er auch der Nutznießer daraus sein. Er kann nicht dafür verantwortlich gemacht werden. Hauptsache, etwas ändert sich!

Freitags gegen Mittag führte ich in einem Fünfminutenbeitrag, den ‚Kochtipp zum Wochenende’ ein Gespräch mit einem Koch, den ich dafür hatte begeistern können. Er warf sich in die Aufgabe, seine Küchendidaktik zu entwickeln. Braten, Schmoren, Poelieren, Kochen. Er erklärte mit Hingabe Saucen, Cremes, Pasteten, verschiedene Teige. Ich warf Fragen ein. ‚Wie stellt man ein Menü zusammen? Woran erkennt man die Frische eines Fisches? Wie lange braucht ein Entrecote-Steak?’ Die Rubrik war ein Erfolg. Ich produzierte die Beiträge vor.

Tennessee verzog schon bei der bloßen Erwähnung meines Kochtipps das Gesicht. Er kritisierte die Beiträge nicht. Er vermerkte manchmal, Vorproduktionen seien praktisch, man könne sie schieben. Das tat er auch. Er war der, der die Sendetermine festsetzte. Erst ganz zum Schluss wurde das letzte Loch zwischen den Musikbeiträgen irgendwann freitags zwischen halb zehn und eins mit dem ‚Kochtipp zum Wochenende’ gestopft. Gezielt konnte man die Rubrik nicht einschalten.

Ich forderte mehr Regelmäßigkeit. Der Programmchef unterstützte mich. Er entschied, der ‚Kochtipp zum Wochenende’ würde ab jetzt als fester Programmpunkt um kurz nach zwölf gebracht.

Die Rubrik war in Turbulenzen geraten. Der letzte Programmchef hatte noch vor seinem Abgang einen Empfang veranstaltet. Er hatte das Ereignis in den Einladungen ‚Performance’ genannt.

Ein Buffet im Freien war arrangiert worden. Honoratioren, Geschäftsleute, Künstler, Professoren und Beschäftigte der Uni waren geladen. Unter dem Dach eines Pavillons an der Uferböschung eines Baches im städtischen Park war das Ereignis an einem Samstagvormittag vorgesehen. Auf der anderen Bachseite sollte singend ein Männerchor zwischen Büschen und Unterholz hervortreten und sich am Ufer formieren. In letzter Minute wurde der Radiokoch, der ab und zu außerhalb des Radios als Mietkoch firmierte, beauftragt.

Wie soll ich das denn jetzt noch alles so schnell organisieren?“

Mach nur mal! Wir müssen das unbedingt hinkriegen!“

Im Park war weit und breit keine Steckdose, kein Wasserhahn, kein Brauchwasserabfluss. Er besorgte tragbare Gaskocher, Kisten voller Geschirr, Behälter mit Frischwasser. Er bereitete Gerichte vor, transportierte sie in Thermobehältern, baute sie auf Rechauds auf, garnierte sie. Dazu hatte er zwei Helfer engagieren müssen. Als er später die Rechnung stellte, stieß er ins Leere. Keine Reaktion. Er musste anmahnen. Dann kam ’s: „Du spinnst wohl! Ein Frühstück kann doch nicht viel mehr als zehn Euro pro Nase kosten. Du bist weit darüber bei einem Vielfachen.“

Mir war die Konzeption der Veranstaltung so verdächtig servil gegenüber den Einflussreichen erschienen, dass ich abgesagt hatte. Mein Radiokoch betonte, dass diese Performance-Veranstaltung des Programmchefs ein ganz anderer Part des Stadtradios wäre als ich mit meinem ‚Kochtipp zum Wochenende’. Wie man es auch drehte, die Begeisterung, mit der die Kochrubrik gestartet war, das hörte man auch der Sendung an, war verflogen.

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