Le Lotte nella Radio di Weimar – Kap.1 Gründer (26)

Beim Betreten des Sendegebäudes, der Manager, grußlos, auf der Treppe:„Hast Du das Aufnahmegerät?“

„Nein.“ ich habe keins.

„Wir hätten am Wochenende dringend eines gebraucht und auf dem Regal war keins. Wir hatten ein Projekt. Euch kann man nichts geben.“

Es muss auf dem Regal stehen, ich gucke nach, eile zurück. Er ist weg und mein Kreislauf auf hundertachtzig.

Tennessee gibt gegen Mittag bekannt. „In der Gerber hammse gekocht. Wer kommt mit?“ Ich und etwa sieben Leute ziehen los zum ‚besetzten Haus’. Ab und zu zeigt sich die Sonne. Die Bürgersteige vor den Cafés und Restaurants sind möbliert. Hinter zugemauerten Fensteröffnungen hat sich die Gerber eine Mischung aus Illegalität und Untergrund bewahrt. Tageslicht muss zweimal um die Ecke biegen, Tastsinn ist gefordert. Die nachts als üppig empfundene Festbeleuchtung schimmert nur funzelig. Wo sich durchzuzwängen Geduld erfordert, sind es jetzt nur wenige Schritte. Hinten Geklapper. Ein Rumäne kommt aus der Edelstahl-Küche. Es gäbe Döner, vegetarisch. Befürchtungen keimen, werden jedoch noch übertroffen. Eine Masse, wahrscheinlich Tofu, in dem gefalteten Teigfladen, Rohkost dazwischen. Ich versuche darin ein Mittagessen zu sehen, weniger die Fundamentalposition einer radikalen Ernährungslehre. Ich esse genug. Widerwillen kann mir keiner unterstellen. Tennessee schildert anderen Gästen am Tisch Wochenenderfahrungen mit seiner Punkband. Namen von Clubs fallen. Berichte von Autobahnfahrten, Biertrinken, Auftritte auf Bühnen, Betreiber, andere Bands, Szenegrößen bestimmen das Gespräch. Um einzusteigen, müsste ich wenigstens zwei, drei Namen parat haben. Der Weg zurück zur Redaktion ist lange genug, um die verengten Sehschlitze wieder auf Tageslichtwerte einzugewöhnen.

Der Programmchef hat sich zur Aufgabe gesetzt, Profis zur Unterstützung der Radiotätigkeiten zu engagieren. Sie veranstalten regelmäßig Workshops. Ein Journalist vom MDR, der einige Teilnehmer in der Redaktion in ‚Interviewen’, bzw. in der Anfertigung von Beiträgen mit Interviewpartnern schulen soll, sortiert gerade im Redaktionsraum Texte für einen Vortrag vor. Der Manager kommt dazu. Fragen zu seinem Honorar müssen noch geregelt werden. Sie scherzen, lachen. „Ich weiß nicht wohin. Das ist das Problem.“

Beide gucken an die Decke. „Wie man ’s auch macht, immer entsteht ein toter Winkel. Wenn ich hier in die Ecke eine Kamera installiere, dann bekomme ich in dem Bereich keine Kontrolle.“ der ,Manager‘ markiert mit dem Arm eine Trennlinie durch den Raum und zeigt in die andere Richtung.

Der Profi greift sich an die Stirn. „Sie können doch nicht die Leute überwachen! Wenn die freiwillig hier sind schon mal gar nicht.“

Der Manager beharrt, „Für uns sind 500 € echtes Geld.“

Jetzt halten Sie mal die Luft an! 500 € gilt alles in allem für uns im MDR. Wir sind ein Riesensender. Was dagegen wird denn hier schon geklaut?“

Das Papier im Drucker nimmt so schnell ab, so schnell können Sie nicht gucken, CD–Rohlinge halten kaum länger als eine Woche. Aufnahmegeräte, Mikrophone, Kopfhörer sind schon ab und zu spurlos verschwunden.“

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