Le Lotte nella Radio di Weimar – Kap.1 Gründer (25)

Kurt hatte mich beiläufig aufgefordert, ich sollte doch aus einem Anlass, den ich auch sogleich wieder vergessen hatte, vorbeikommen. Ich kaufte ein paar Flaschen und machte mich auf den Weg. Hinter einer Biegung auf halber Höhe fiel mein Blick auf den Obstbaumgarten vor Kurts Haus. Die Bäume strahlten in voller Blüte.

 Hier und da unter den Kronen weiße Tupfer. Im Näherkommen erkannte ich darin Federbetten und im Vorbeigehen sah ich aus den Daunen den einen und anderen Silberlockenschopf hervorschauen.

Meine Gäste machen gerade ein Nickerchen.“

Auf einer Tafel wehte ein Tischtuch aus Leinen in einer sanften Prise. Er hatte den Kaffee hinterm Haus, Strom war nach wie vor abgestellt, auf einem mit einer Gasflasche betriebenen Kocher zubereitet. Auf Tortenplatten lagen Krümmel, Kleckse von Creme, Früchten und Reste des Gebäcks. Nur Gundilein, Frau Gudrun Weißgerber, saß noch am Tisch. Sie hatte einstmals Kurt, wie er erzählt hatte, als respekteinflößende Lehrerin in Russisch unterrichtet. Jetzt war sie nur noch sein ,Gundilein‘. Der Dackel zu ihren Füßen litt etwa im selben Maße an Übergewicht wie sie. Sie kraulte ihn am Bauch. Er brummte vor Behaglichkeit. „Ja ja, wir sind schon alt, wir beide. Wir machen ’s nicht mehr lange, du und ich. Aber trotzdem haben wir ’s gerne, wenn die Sonne scheint. Ja ja, wir sind schon alt, du und ich.“ Kurt öffnete eine Flasche rosa Krimsekt. Ich trank ein Gläschen mit den Beiden.

 

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