Le Lotte nella Radio di Weimar – Kap.3 Sylvias Hauptrolle 4

Für ein Morgen- und Vormittags-Magazin-Programm, ganz ähnlich dem hiesigen, hatte das Stadtradio der Nachbarstadt ein Sendeschema auf seine Webseite gestellt. Außerdem stand da ein internes Statut.

Die Fachredaktionen in Sport, Lokales, Kultur usw. hatten ihre jeweiligen Meldungen. Eine Ausgaben-Einnahmen-Rechnung war veröffentlicht, kurz: Forderungen nach Transparenz und demokratischer Kontrolle schienen erfüllt zu werden. Tom kündigte einen Besuch an, um aus Interviews vor Ort einen Beitrag zusammenzustellen und derart die Diskussion im eigenen Stadtradio anzuheizen. Sylvia bot an, ihn in ihrem Auto zu fahren. Sie würde das gesamte Team kennen und könnte ihn vorstellen. Vormittags sollte es losgehen.

Aus ihrem Kränzchen nahm sie die Dame, die den Veranstaltungskalender organisierte, und ihr Söhnchen als Begleitung mit. Tom saß mit dem Kleinen hinten. Es gab Kinder, mit denen er sich gerne unterhielt. Er gehörte dazu.

Transparenz wäre möglich, war Toms zentrale These. In dem Sender der Nachbarstadt sammelte er. Sämtliche Entscheidungen, die mehrere oder die gesamte Redaktion oder gar alle beim Radio einschließlich der Hörer betrafen, wurden in Vollversammlungen oder kleineren Teams gefällt. Jeder konnte auf Dinge, die ihm wichtig waren, Einfluss nehmen, ohne den Ablauf zu behindern oder unnötig auszudehnen. Sie hatten insgesamt nur zwei Praktikanten beschäftigt, die in der Buchhaltung halfen. Die Buchhaltung machte Buchhaltung und managte ansonsten nichts. Tom wurde von dem Programmchef durch die Räume geführt. Er interviewte den Chefredakteur und berichtete frei von seinen Eindrücken.

Er bearbeitet den Beitrag in der Redaktion und gab ihn in den Sendebetrieb. Der Moderator kam nicht daran vorbei, zumindest Teile des Beitrags anzuhören. Die Programmchefin hätte sich die Zeit, seinen Inhalten zu widmen, eigentlich nehmen wollen, oder, wie sie versichert hatte, selbstverständlich nehmen müssen. Sie nahm sich keine Minute. In der Redaktion liehen die Mitarbeiter dem laufenden Programm bestenfalls zeitweilig ein Ohr. So kam es, dass Toms Beitrag, sobald er gesendet worden war, sich auch schon bald wieder versendet hatte.

Während der Rückfahrt hatte Tom den Kleinen gefragt, was er jetzt tun würde, wenn er nicht mitgefahren wäre.

„Ich wäre im Kindergarten.“

„Haste heute verschlafen?“

„Nein, ich war wach.“

„Hat die Mama verschlafen?“

„Nein, die war dann auch wach.“

„Wolltest du mit der Mama und mit uns in die Radioredaktion fahren?“

„Nein, wollt’ ich nicht.“

„Was findest du denn besser? Mit der Mama und mit uns zu Besprechungen zu fahren oder in den Kindergarten gehen?“

„Kindergarten ist besser.“

„Warum?“

„Radio und so ist immer so langweilig.“

„Und warum bist du nicht einfach in den Kindergarten gegangen?“

„Die Mama hat das so gewollt.“ \lsdpriorit

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