Le Lotte nella Radio di Weimar – Kap.3 Sylvias Hauptrolle 3

„Sylvia!“, Tennessee ruft in nachdrücklicher Lautstärke seine Vorgesetzte.

Die Redaktion hat sich zu einer Sitzung versammelt. Aus dem Programmchefinnenzimmer dringt ein verwehtes ‚Ja’.


Ein gebelltes „Komm mal her!“, folgt.

In der Art werden gerne Einzelne vor die Gruppe zitiert. Tom kennt es. Auch ihm hatten schon solche Befehle gegolten.

„Warum warst Du nicht bei der Vorsitzenden des Vereins für ehrenamtliches Engagement?“ war er angeherrscht worden.

Tom hatte entgegnet, er hätte Wichtigeres zu tun gehabt.

„Wenn ich sage, du gehst zu dem Termin, dann hast du zu dem Termin zu gehen.“

„Entschuldige bitte, ich war mit der Geschäftsführerin der Internationalen-Bau-Ausstellung verabredet. Das Ereignis wird für die ganze Republik maßgebend sein. Auch wir werden darüber berichten müssen.“

„Ich habe gesagt, du sollst zu dem Termin gehen, und wenn ich das sage, dann hast du dorthin zu gehen.“

Der Sprachgebrauch von einem konjugierten ‚haben‘ gefolgt von einem Infinitiv mit ‚zu’, gehörte zu den Wendungen, gegen die Tom eine unüberwindliche Abneigung entwickelt hatte. „Was erscheint dir daran so wichtig?“

„Du sollst dorthin gehen, weil das hier auf dem Zettel steht und weil ich das so sage!“

Die Geschichte war eskaliert. Sie waren sich eine Weile aus dem Weg gegangen.

Auch Sylvia muss mit ihrem Erscheinen erkennen, dass sie gar nicht gefragt ist. In der Redaktionsbesprechung läuft nichts erkennbar Zentrales. Tennessee instruiert mit einem Seitenblick auf sie einen Praktikanten zu einem Telefoninterview mit der Leitung eines örtlichen Fußballvereins. Sylvia scheint nicht zu verstehen. „Und was hab’ ich damit zu tun?“ Tennessee lacht, „Schon gut.“ Sie hat keine Abwehr gefunden, die Rangordnung ist justiert worden, das ist alles.

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