Le Lotte nella Radio di Weimar – Kap.2 Ottmar Schmieling Kommunikation 6

Zu Hause ab und zu ein Steak zu essen, hat zu den überlebenswichtigen Regeln gehört. Ich habe es heiß und so kurz, dass das Innere noch eine rosa Tönung behalten hat, gebraten.

Ein Brief des Vermieters, der Wohngenossenschaft, morgens beim Frühstück, alle Wohnungen sollten, mir fiel der Eierlöffel aufs Brettchen, mit Rauchmeldern versehen werden. Ich hatte bisher über alle möglichen Mängel wohlwollend hinweggesehen. Die Wohnungen hatten als Eingang Zimmertüren. Die vertikale Verbindung für die gesamte Infrastruktur einschließlich Belüftung war so behelfsmäßig, dass das Sauerkraut, das gerade eben irgendwo in einem Appartements in den zehn Geschossen über mir gekocht wurde, noch zu riechen war. Sie hingen alle an demselben Abluftschacht. Im Brandfall hätten sich die Versorgungsschächte insgesamt zu einem einzigen Kamin, der der Glut Sauerstoff reichlich zugeführt hätte, verwandelt. Als einmal der Strom für die Schließanlage des einzigen Ein- und Ausgangs ausfiel, saßen alle fest. Nur mir wäre noch, durch mein Fenster zu steigen und etwa einen Meter tief zu springen, geblieben.

Alle Wohnungen waren von Leuten, die darauf angewiesen waren, sich aus Grundnahrungsmitteln eine Mahlzeit zu kochen, belegt. Vorbereitete Halbprodukte in der Mikrowelle zu erhitzen, wäre zu teuer gekommen. Und jetzt so was! Ich schrieb Briefe mit Verweisen auf soziale Wohnwirklichkeit, auf die Bauordnung, DIN-Normen, Brandschutzverordnung usw. an den Vorstand, den Bauausschuss, an die städtische Bauaufsichtsbehörde. Aus der Redaktion führte ich Telefonate mit dem Vorstand der Genossenschaft.

Es klingelte. Eine Kolonne aus vier Monteuren stand vor der Tür. Zwei betraten meine Wohnung und eröffneten einen fachkundigen Diskurs über Rauchmeldung. Sie gingen, um aus ihrer Sicht das Rauchproblem am Objekt zu erläutern, nach hinten durch. Zwei weitere, einer mit einer Aluminium-Leiter, ein anderer mit einem Hilti-Bohrhammer an einem Kabel, das irgendwo draußen angeschlossen war, rückten nach. Der Kollege auf der Leiter bekam das Arbeitsinstrument gereicht. Ein Motor schnurrte und mit zwei Bewegungen war ein Deckel in der Betondecke verschraubt. Eine einfache Steckverbindung reichte aus, um einen Rauchmelder zu befestigen. Ein Stift wurde gezogen. Er war entsichert und blinkte rot vor sich hin. Ich schaute von dem Gespräch im hinteren Bereich nach oben zu dem Sensor. Was das denn bitteschön sollte? „Sie können doch nicht einfach, noch bevor irgendeine Entscheidung getroffen ist, mitten im Gespräch, einfach so den Rauchmelder anbringen!“

Die Arbeiter zuckten die Schultern, nahmen ihr Werkzeug, wichen zwei drei Schritte tiefer in meine Wohnung aus. Die zwei mit dem Diplomatenjob stellten sich unter den Rauchmelder, erklärten, rechtfertigten, beschwichtigten. Ich ereiferte mich. Der Bohrhammer, der Beton in Butter verwandelte, brummte erneut. Kein Vergleich mit dem Schlagbohrer, den ich selbst, um meine Vorhangschienen und Rolos zu befestigen, hatte verwenden müssen. Fast ein ganzes Set Universalbohrer war, nur um ein paar Dübel zu befestigen, draufgegangen. Mit ihrem Power-Spezial-Gerät hatten die Beiden im Handumdrehen in der Nische, in der ich kochte, einen zweiten Melder installiert. In einem Einzimmerappartement oder ,Einraumwohnung‘, wie es hier genannt wurde, gleich zwei Rauchmelder und einen sogar direkt über dem Herd zu installieren, war nach der Brandschutzordnung weder notwendig noch überhaupt zulässig.

Frechheit!“

Die zwei Diplomaten erklärten durch einen Türsturz könne sich der aufsteigende Rauch stauen und sammeln und in der anderen Ecke des Raums würde ja schließlich, wie man an dem Bett sehen könne, geschlafen.

So eine Unverschämtheit, während wir hier verhandeln…!“

Ich hätte ja Recht, wenn ich jetzt laut werde, aber sie müssten so handeln. ‚Der Auftrag, Sie verstehn!’ Der Melder reagiere im Übrigen nicht auf Küchendünste. So viel Rauch, um Alarm auszulösen, könne ich gar nicht erzeugen. Sie versicherten, die Tage käme der Meister persönlich vorbei, das könne man doch regeln.

Hier, mein Kärtchen ‚ALB Energie Service GmbH Heizkostenabrechnung, Heizkostenverteiler, Messtechnik und Regeltechnik’, Sie können ja dort anrufen!“

Alle verschwanden auf ihre Tour durch die zweihundertfünfzig Wohneinheiten.

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