Le Lotte nella Radio di Weimar – Kap.2 Ottmar Schmieling Kommunikation 28

Er stand am Tresen im Nero, neben ihm eine Rechtsanwältin, eine der angenehmeren Erscheinungen in der Szene. Er kannte sie schon lange. Ihre und seine Tätigkeit, stach ihn eine Idee, wären doch eigentlich geeignet für eine wöchentliche Rubrik, einen „Ratgeber Recht“.


Sie stieg darauf ein. Ein jeweils von ihr vorgeschlagenes Rechtsproblem würde thematisiert. Tom könnte über die Rolle des unwissenden Beteiligten den Gang des Gesprächs steuern, sich zum Beispiel juristische Fachbegriffe erklären lassen oder abstrakte Zusammenhänge auf Anschauliches herunterziehen. Perfekt, zwei Calvados bitte! Auf die gemeinsame Rubrik!

Ottmar Schmieling, dem Tom das Projekt darlegte, gab vor, die Anwältin vom Sehen zu kennen. Er stimmte nicht nur zu, er steigerte sich in Visionen. „Wir machen den MDR platt!“

„Lass den MDR ruhig die Supermärkte und die Büros beschallen! Wir haben ganz andere Möglichkeiten. Wir müssen auf keine Einschaltquoten schielen. Wir steuern, ganz wie wir es für richtig halten den Diskurs der Stadt. Wir können uns frei bewegen. Wir haben ja als Korrektiv die Hörer. Sollten wir ‚verrückt‘ spielen, dann werden wir zurück gepfiffen. In der Weise verschafft sich die Stadt im Wechselspiel mit uns, dem Stadtradio, das Forum im virtuellen Raum, das sie verdient. ‚Stadtradio‘ ist ein Medium, das noch davor steht, erfunden zu werden.“

„Vergiss nicht,“, mahnte Ottmar Schmieling an, „dass Radio machen auch ein Handwerk ist! Was über den Äther kommt, das muss stimmen.“ „Mag sein. Aber wie wir uns Radio aneignen, ist ‚learning by doing’. Wir sind kein Sender wie jeder andere auch, eben nur mit dem Unterschied, dass wir mit Amateuren besetzt wären. Irrtum. Wir spielen weder die Trüffelschweine noch die Talent-Scouts für die Privaten oder die Öffentlich-Rechtlichen. Wir sind selbständig Agierende mit der Lizenz, Neues zu erfinden und dem Privileg, uns dabei auch den einen oder anderen Fehler erlauben zu dürfen.“

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