Le Lotte nella Radio di Weimar – Kap.1 Gründer (27)

Kurt sitzt mit Rolf in der Laube vor seinem Haus. Malen geht nur tagsüber. Ohne Strom gibt nur die Sonne Licht. Hätte sein Vater nicht dreihundert Meter weiter seinen Kleingarten gehabt, er wäre ziemlich aufgeschmissen gewesen. So wird wenigstens die Wäsche gemacht und auch sonst wird das eine oder andere rüber geschoben.

Tut mir leid“, werde ich empfangen, „mein Vater macht drüben ein paar Bratwürste. Ich hab’ versprochen vorbeizuschauen. Wir müssen da rüber. Brauchst dich ja nicht mit denen zu unterhalten. Komplett verblödet, verstehste.“

Kannst du da einfach einen mitbringen?“

Ach was! Der freut sich über jeden, der kommt. Nur keine Bedenken!“

Die Frau von Kurts Vater trägt eine hellblonde Perücke. Sie versorgt zusammen mit einer Freundin den Grillrost. Kurt stellt mich und Rolf vor. Sein Vater steht bei zwei, wie sich zeigt, Kollegen. Die beiden sitzen nebeneinander auf einer Bank.

Ich wusste gar nicht, dass Sie so eine junge Frau haben.“ Die Siebzigjährige freut sich. Die Polizeikollegen lachen. Über den Bauch des einen Kriminalpolizisten spannt ein blau-weiß gestreiftes Hemd, darüber sitzt ein violetter Kopf. Er und der Kollege sind noch im Dienst. Der zweite, ein Dürrer, hat den Rücken gebeugt, sein Hals hängt in Falten durch. Sein Adamsapfel bewegt sich auf und ab. Er reckt, als wolle er einen Geier imitieren, die gekrümmte Nase nach dem Geschehen.

Rolf, einer aus dem Westen, macht zurzeit, wie Kurt erklärt, einen auf ‚Stilmöbel’. Es kann vorkommen, dass er, während man mit ihm in einer Runde Wein trinkt, alle fünf Minuten sein Mobiltelefon zückt. ‚Ich biete gerade in einer Auktion in München.’ ‚Ja, und?’ ,Ein Biedermeier-Kanapee.’ ‚Ach so.’

Mit gut gekühltem Flaschenbier aus dem Kühlschrank der Datsche wird angestoßen.

Rolf hat sich in ein Gespräch mit Kurts Vater verwickelt. „Klar war das auch manchmal langweilig. Dann sind wir eben in den Frauenknast rüber und haben die Zellen durchsucht.“

Nein, ich meine nachts, so wenn es auf Mitternacht zu ging.“ korrigiert Rolf.

Ja gerade dann. Dann hieß es, Knüppel raus und los ging ’s.“

Habt ihr da auch?“ Rolf streckt die Faust vor und rührt, was immer er auch damit meinen mag, in der Luft.

Kurts Vater deutet verunsichert ein Nicken an. „Und dann von Zelle zu Zelle.“ Er lacht breit.

Alle stoßen miteinander an. Rolf freut sich über den Vater und Kurt über Rolfs Boshaftigkeit. In einigem Abstand wuseln die Frauen zwischen dem rauchenden Rost und der Gartenlaube.

Ich erwähne den Tod des Russen. Der lila Bluthochdruck-Kopf sagt, dass die Ermittlungen noch laufen, aber demnächst abgeschlossen werden.

Kurt wirft ein: „Wenn die dich erst mal haben, dann sitzen die dir im Pelz wie die Zecken. Wenn de dran bist, dann denkste vielleicht irgendwann mal, die hamm mich endlich abgehakt, aber die vergessen dich niemals. Die machen so lange bisse dich hamm.“

Der Geierhals nickt und sagt: „Ein Russe!“

Alle lachen. Auch ich ertappe mich dabei, wie ich versuche ein Lachen anzudeuten. Der Geierhals hat mich beobachtet. Er lässt sich noch einmal herab. „Bei der kriminaltechnischen Untersuchung hat sich gezeigt, dass auf dem Dachboden noch Aschereste eines Schlafsacks nachgewiesen werden konnten. Nach einer Analyse war es der Schlafsack des Mannes. Er hatte außerdem ein Benzinfeuerzeug der Marke ,Zippo‘, sowie ein Päckchen Benson & Hedges einstecken.“

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