Le Lotte nella Radio di Weimar – Kap.5 gaga 52

Am Himmel wird das Blau der blauen Stunde zu einem Himmelblau. Die Sonne greift über die Gipfel. Ein Flecken Rot fängt am Horizont entlang beider Seiten der Hügelkette einen Anfang an. Wirbel durch den Park. Sie haben Grenzen gesucht.

Keine hat sie aufgehalten. Sie drehen sich nicht um. Über den Wipfeln Laute. Hunde, Jogger und Fahrradfahrer stören kaum. Kleider verstreut unter dem Ginkgo. Grashalme richten sich auf. Im Walde unter den schlafenden Vöglein gelegen. Ein Duplikater schabt Tom im Nacken. Egomanierlich bleiben! Doppelt ist er nicht, das ahnt er. Warum sollte er annehmen, ein einziger zu sein? Lauras Art zu gehen, entblößt ihre Empfindsamkeit. Ein Genuss, ihren Bewegungen zu folgen. Sinnlichkeit in ihrem Schritt. Im selben Maße wie ihn Lauras Bewegungen in ihren Rhythmus ziehen, wächst die Entfernung. Den Moment, in dem sie hinter der Ecke des Schlosses verschwindet, betrachtet er stundenlang.

Vereinzelt Zebras im Park. Feiertag, noch sonnt sich die Stadt. Marching Bands auf der Strecke zum Schloss. Sie laufen, trainieren, ihre Instrumente blasend, rennen ohne Formation. Heute ist, Tom meint sich zu entsinnen, Wettkampf. Drei Zebras sind mit ihren Zügeln an einen Pflock gebunden.

„Was soll denn das Zaumzeug? Zebras werden doch nicht geritten!“, wird Tom von einer Frau angeherrscht. Als ob ihn das etwas anginge. Ihm bleibt nur, die Schultern zu zucken. Anwandlungen haben die Leute!

Eine Marching Brass Band in Uniformen am Bierstand. Sie machen Pause. Daneben wird rote Zuckerwatte verkauft, drei Kinder davor. Ein Mädchen, die Größte, gibt ihrer Freundin ihren Stängel mit roter Zuckerwatte zum Halten und schiebt von dem anderen kleinen Freund unterstützt, einen Stuhl unters Mikrophon. Sie klettert darauf, streckt sich, ein Fuß steht auf Spitze. Sie schreit ins Mikrophon:

„Gaga!“

„Gaga“ dröhnt es im Straßenraum.

Die anderen beiden Kleinen jauchzen, lachen, hüpfen, klatschen in die Hände.

„Gaga!“ ruft sie, „Gaga, Gaga, Gaga!“

Einer der Musiker der Marching Band springt ans Mischpult und regelt. Das Mädchen voller Stolz versucht ’s noch einmal, zweimal, dreimal … Ihr Stimmchen reicht nur noch für die Umstehenden. Ihre zwei Spielgefährten wenden sich ab.

Tom, außer sich, er kann es nicht fassen. Ausgerechnet dieses kleine Mädchen! Er springt ihr entgegen. „Gaga!?“

Sie lächelt. Er will es noch einmal hören, „Was meinst Du, ist ‚gaga‘?“

„Ich.“

„Ja Du, was meinst Du?“

„Ich.“

Was hat sie denn? Tom wird verunsichert. „Nein, ‚gaga‘ ich meine ‚gaga‘. Was meinst du mit ‚gaga‘? Was ist ‚gaga‘?“

Sie reißt die Augen auf, legt Nachdruck in ihre Stimme:

„Iiiiiiii… hiiiiii… hich.“

Die andere streckt ihre rote Zuckerwatte hoch und ruft ihr zu: „Komm mit zur Kletterburg!“

Trotz hat ihr Kindergesicht verfinstert. Sie schreit:

„Ich … Ich … Ich.“

Ihre zwei Freunde hüpfen davon und rufen,

„Zur Kletterburg! Gabriela! Runterrutschen!“

„Gaga! Komm mit, Gaga!“ „Gaga, Gaga, Gaga!“

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