Le Lotte nella Radio di Weimar – Kap.5 gaga 51

Philipp hat noch eine Runde Gin Tonic geordert. Er dreht einen. Eine Rothaarige schlenkert einen Tisch weiter eine Flasche Maggi über ihrem Tofu-Couscous.

Sie hat üppige Formen und sie trägt eine Strickmütze in den Farben der Flagge Simbabwes. Die Flasche ist offenbar verstopft. Eine Gruppe junger Langhaariger, einige mit Israel-Nationalflaggen-Stickern am Hemd stehen um sie herum. Sie beobachten sie und ihren Teller. „Die Antideutschen!“

Laura hört es. Es verreißt sie. Tom wird angesteckt und kriegt sich auch kaum noch ein. Philipp nimmt Bestellungen für den Gin Tonic entgegen. Laura und Tom haben vergessen zu trinken. Fred grinst aus schmalen Sehschlitzen. Laura meint, „Die sind alle im, … im … Tiere.“

„Sie sind Imitiere …“, sagt Tom, „… die Antideutschen und die Multikuh.“

Laura reißt die Augen auf, „Merkst Du das?“

Tom sagt, „Es wird kleiner?“

Laura bestätigt.

Tom wimmert, „Es wird schneller. Es beschleunigt.“

Laura nickt. Sie halten sich aneinander fest. In rasender Geschwindigkeit wird alles um sie herum kleiner. Keine Vergleichsgröße, nur das Gefühl, wie alles schrumpft, aus dem eigenen Körper heraus, eine einzige Wahrnehmung, jeder Zweifel ausgeschlossen. Die Fahrt eines gigantischen Aufzugs in die Tiefe des Mikrokosmos. Keine Schwerkraft, die Masse nimmt ab.

Angst in ihren Augen. Das Verständnis schaltet beide gleich. Alles ist winzig geworden, es hätte zigfach in jede beliebige Schneekugel gepasst. Das Schrumpfen hat abgebremst. In Lauras Gesicht zeigt sich Erleichterung. Auch das trügt. Es ist der Punkt von dem aus die Materie wieder anfängt, an Masse zu gewinnen. Nicht lange und sie haben sich über das Normalmaß hinaus zu einer irrwitzigen Größe aufgebläht. Die Bar der Gerber ist in die Unendlichkeit des Universums geschossen.

Um den Nebentisch in einer festen Stellung ein Nihilpferd, ein Dilephant und ein Sexualross. Alkoholbris schwirren um sie herum. An die Tischkante gelehnt ein Sadistelfink.

Tom hält sich an Laura fest, sie sich an ihm. Ihre Fahrt verlangsamt sich, bleibt stehen und stürzt wieder in sich zusammen der Mikrowelt entgegen, der sie gerade entwachsen waren.

Fred holt Luft. Philipp will den Abend beenden. Tom und Laura stimmen zu. Am Tresen ein Agitaligator, daneben ein Barockodil. Ein Demagockel mit einem Kreissägen-Iro stolziert vorbei. Die Bar ist gut besucht. Cowboyoten, Schicksakale, Hysteriänen drängeln sich um andere Ambiguitäterprofile. Die beiden sitzen alleine. Alle halten Abstand. Tom tippt Laura an und wischt mit der Hand die Menge rundherum vage andeutend, „der Tigersprung“.

Laura, erschrocken, bemerkt es. Sie versteht nicht.

„Wo der Tiger sein Nachtlager aufschlägt, trauen sich alle anderen Tiere, egal welcher Gattung oder Größe, nur so weit anzunähern, wie der Tiger mit einem Satz aus dem Liegen heraus springen kann.“ Laura sieht, dass Tom recht hat. Sie sagt, „Komm! Wir gehen in den Park.“

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